Samstag, 8. September 2007

Mischwesen

Man kann sich ja über viele Aspekte der Gentechnik zu Recht aufregen. Aber muss dieser Schwachsinn hier sein:
Die Zulassung zur Herstellung von Mischwesen aus tierischem und menschlichem Erbgut sorgt für weltweite Aufregung. Für die Kirche ist die Schaffung ein monströser Akt.

Die Kirche kennt sich mit monströsen Akten ja aus. Aber irgendjemand sollte ihnen und den anderen weltweit Aufgeregten vielleicht mal stecken, dass es zwischen „Menschen“ und „Tieren“ keinen Unterschied gibt. Die „Mischwesen“ aus Menschen und Kühen, beispielsweise, sind auch nichts anderes als die Schiegen (Schaf+Ziege) und Liger (Löwe+Tiger), mit denen uns die Gentechniker in der Vergangenheit beglückt haben.

Donnerstag, 6. September 2007

TerrorCollect

Die Festnahme von drei Terrorverdächtigen soll uns jetzt den Bundestrojaner doch noch schmackhaft machen. Günther Beckstein drängelt dabei:
Ich erwarte, dass die von Bundesinnenminister Schäuble vorgeschlagene Sonderkonferenz der Innenminister von Bund und Ländern noch in dieser Woche einen Beschluss zu Online-Durchsuchungen fasst.

Na klar, weil man solche Beschlüsse natürlich am besten spontan am Tagesgeschehen orientiert.

Aber bevor sich jetzt wieder alle über den Bespitzelungswahn des Innenministeriums aufregen, einmal tief durchatmen. Schließlich ist es die Bundesregierung die da einen Trojaner basteln will. Und wie die mit EDV-Vorhaben verfährt, das wissen wir ja langsam.

Erstmal wird ein Konsortium gegründet. Vermutlich aus dem Media Markt („Weil die sich mit Computern auskennen“), dem Denkmalamt („Weil die über Troja Bescheid wissen“) und T-Online („Weil denen das Internet gehört“). Die bekommen dann den Auftrag, für 18 Milliarden Euro ein Konzept für den Trojaner zu entwickeln und die gezielte Verbreitung auf den Computern von Terroristen zu planen.

Nachdem das Konsortium zweimal die Frist verpasst und die Regierung dafür nochmal vier Milliarden Euro Vertragsstrafe zahlt, weil sie das Kleingedruckte nicht gelesen hat, wird dann eine kleine Softwareklitsche des Bekannten eines Neffen der Nachbarin des Vorsitzenden des Planungsausschusses den Trojaner programmieren. Das kostet den Steuerzahler dann aber nur 15 Millionen Euro.

Zwei Jahre später stellt sich dann heraus, dass der Trojaner leider nur unter Windows 2000 (Service Pack 3) funktioniert und auch da nur dazu verwendet werden kann, die Systemuhr zu verstellen. Daraufhin wird der Bund weitere 12 Millionen Euro ausgeben, damit man wenigstens auch noch die Highscoreliste vom Minesweeper auslesen kann.

Mittwoch, 5. September 2007

Tarzan reich, Jane sexy

Na, wenn das nicht herzerfrischend ist:
Männer und Frauen erzählen gern, sie wollten einen Partner, mit dem sie auf einer Stufe stehen. Doch in Wahrheit sind bei der Partnerwahl Kriterien entscheidend, die schon in der Urgesellschaft galten: schöne Augen und weibliche Kurven bei Frauen, schützende Hände und ein Sack voll Geld bei Männern.

Wie lange will man uns diesen Schwachsinn noch weismachen? Also, erstens: kein Mensch weiß, welche Kriterien die Mitglieder der „Urgesellschaft“ bei der Partnerwahl verwendet haben.

Diese „Urgesellschaft“ ist doch nach genau den Stereotypen konstruiert, die sie erklären soll. Männer gehen mehr fremd als Frauen? Das liegt daran, dass die Männer der „Urgesellschaft“ Jäger waren. Ach es ist doch umgekehrt und Frauen gehen mehr fremd als Männer? Das liegt daran, dass die Frauen der Urgesellschaft Sammler waren. Und so weiter.

Aber wollen wir uns doch mal ansehen, wie die Forscher die heute verwendeten Kriterien herausbekommen haben:
Peter Todd und seine Kollegen von der Indiana University befragten für ihre Studie 47 Münchner, die an einem Speed Dating teilgenommen hatten. Beim Speed Dating treffen die Teilnehmer in kurzer Zeit möglichst viele potentielle Partner. Anschließend können sie entscheiden, ob sie den oder die andere wiedertreffen wollen oder lieber nicht.

Na klar. Speed Dating ist ja auch eine typische Situation, aus der man allgemeine Aussagen über die Partnerwahl herleiten kann. Die überwältigende Mehrheit meiner Bekannten und Verwandten hat ihre Lebenspartner beim Speed Dating kennen und lieben gelernt -- nicht.

(Und vor allem: Münchner? Für wen sollen die den repräsentativ sein?)

Dienstag, 4. September 2007

Gott ist tot und Freud ist kein Prophet

Spiegel Online schreibt über eine Studie der University of Chicago zur Glaubenshaltung amerikanischer Ärzte und Psychiater, deren Ergebnis ich hier kurz grafisch zusammenfasse:


Der Spiegel fasst zusammen: „Psychiater glauben am wenigsten an Gott“. Der Autor der Studie, Farr Curlin, sucht den Grund dafür in der Geschichte der Psychiatrie:
Irgendetwas an der Psychiatrie - vielleicht die historische Verbindung zur Psychoanalyse und die anti-religiösen Ansichten der frühen Analytiker wie Sigmund Freud - scheint religiöse Medizinstudenten davon abzuhalten, in diesem Feld tätig zu werden.

Freud sah die Religion nämlich als eine universelle Zwangsneurose. Ich glaube kaum, dass angehende Psychiater tatsächlich noch Freuds Werke lesen. Deshalb können sie sich auch kaum von seinen blasphemischen Äußerungen abschrecken lassen. Viel eher glaube ich, dass sie von selbst darauf kommen, dass sie ohne Religion besser dran sind -- schließlich sind sie schon im Berufsalltag ausreichend mit Halluzinationen konfrontiert.

Montag, 3. September 2007

Feuer frei

Das Mindestalter für den Besitz von Schusswaffen, dass nach dem Amoklauf von Erfurt auf 21 Jahre heraufgesetzt wurde, soll wieder auf 18 Jahre gesenkt werden:

Bei der Änderung handele es sich um eine Vorgabe der Europäischen Union im Zuge der Harmonisierung von Gesetzen. Die Heraufsetzung der Altersgrenze habe keinen "messbaren Sicherheitsgewinn gebracht", sagte der Sprecher [des Bundesinnenministeriums] weiter.

Hmm, mal sehen: Amokläufe vor der Heraufsetzung der Altersgrenze: 1. Amokläufe danach: 0. Ja, das ist wirklich kaum messbar...

Sonntag, 2. September 2007

Christentum wie Flasche leer

Kunst und Religion sind ja immer ein Rätsel, aber nun schaffen Joachim Meisner, Erzbischof von Köln, und der Künstler Gerhard Richter in Ihrem Schlagabtausch über das neue Fenster des Kölner Doms Klarheit. Der Erzbischof verschmäht sein neues Fenster, das ein wenig an ein Testbild erinnert (siehe rechts):
Es passt eher in eine Moschee oder in ein Gebetshaus. Wenn wir schon ein neues Fenster bekommen, dann soll es auch deutlich unseren Glauben widerspiegeln. Und nicht irgendeinen.


Der Kardinal ist nämlich ein Freund der modernen Kunst. Er schwärmt vor allem von der „Kreuzigung“ von Joseph Beuys -- einer „Installation“ zusammengenagelt aus Holz, Draht, Papier, Elektrokabeln und (hoffentlich leeren) Blutkonservenflaschen, die Maria und Johannes darstellen sollen (siehe links).

Für den Kardinal gleicht das Christentum also eher einem Schrotthaufen und der Islam sollte mal Sendepause machen.

Statt nun das Kunstverständnis des Kardinals zu hinterfragen, beteuert Richter nur seine Kirchentreue:

Zum Islam habe ich gar keine Beziehung. Ich fühle mich als Spross des Christentums, der ohne den Glauben an eine höhere Macht oder etwas Unbegreifliches nicht leben kann.


Zum Glück produzieren Künstler und Kardinäle genug Unbegreifliches für alle.

Von Hunden und Propheten


Die Aufregung um die Mohammed-Karikaturen in der dänischen Jyllands-Posten im letzten Jahr ist gerade vergessen, da reiben die nördlichen Nachbarn Salz in die Wunde: die schwedische Tageszeitung Nerikes Allehanda veröffentlicht eine Zeichnung des Künstlers Lars Vilk, die den Propheten als Hund darstellt. Und natürlich reagieren alle Seiten vorhersehbar stereotyp. Die islamische Welt protestiert:
Die Karikatur sei „beleidigend und blasphemisch“, hatte das pakistanische Außenministerium am Donnerstag mitgeteilt. Dadurch seien die religiösen Gefühle von Muslimen schwerwiegend verletzt worden. „Solche Taten untergraben nachhaltig die Bemühungen derer, die den Respekt und das Verständnis zwischen den Religionen und Kulturen fördern wollen.“

Und der Westen, in Gestalt des schwedischen Botschafters, entschuldigt sich und bedauert die Meinungsfreiheit:
Er teile die Auffassung der muslimischen Gemeinschaft und habe die Karikatur als „bedauerlich“ bezeichnet, teilte das Außenamt weiter mit und fügte hinzu: „Bedauerlicherweise nimmt unter manchen Europäern die Tendenz zu, Meinungsfreiheit mit der unverblümten und wohlüberlegten Beleidigung der 1,3 Milliarden Muslime in der Welt zu vermischen“.

Nur die Katholiken in Malaysia haben offensichtlich etwas aus der vorgeblichen Dünnhäutigkeit einiger moslemischer Meinungsführer gelernt. Nachdem die tamilische Zeitung Makkal Olsai eine Karikatur von einem rauchenden und Bier trinkenden Jesus veröffentlichte, empören sie sich standesgemäß:
Der katholische Erzbischof von Kuala Lumpur, Murphy Pakiam, sprach in malaysischen Medien von einem „Sakrileg“, das die religiösen Gefühle der Katholiken verletze. Die evangelisch-lutherische Kirche Malaysias verlangte ein Verbot der Zeitung. „Als zwei Tageszeitungen hier im vergangenen Jahr die Karikatur veröffentlichten, die den Propheten Mohammed mit einem Turban in Bombenform zeigte, hat die Regierung unmittelbar gehandelt und die beiden Zeitungen verboten“, erinnerte Bischof Julius Paul. Das sei „die richtige Entscheidung“ gewesen.

Also, für eine Organisation, die allein im letzten Jahr 398 Millionen US-Dollar Schandenersatz gezahlt hat, weil 448 ihrer Priester insgesamt 714 Kinder sexuell missbraucht haben, finde ich das etwas überempfindlich.

Irgendjemand sollte all diesen armen, schwer beleidigten Menschen vielleicht mal stecken, dass es Gott/Allah gar nicht gibt. Er kann also auch keine Söhne und Propheten in die Welt gesetzt haben, die man durch Karikaturen beleidigen kann. Natürlich wollen wir niemanden daran hindern, an Märchen zu glauben. Aber die Meinungsfreiheit geben wir deshalb ganz sicher nicht auf.