
Die
Aufregung um die Mohammed-Karikaturen in der dänischen Jyllands-Posten im letzten Jahr ist gerade vergessen, da reiben die nördlichen Nachbarn Salz in die Wunde: die schwedische Tageszeitung Nerikes Allehanda veröffentlicht eine Zeichnung des Künstlers Lars Vilk, die den Propheten als Hund darstellt. Und natürlich
reagieren alle Seiten vorhersehbar stereotyp. Die islamische Welt protestiert:
Die Karikatur sei „beleidigend und blasphemisch“, hatte das pakistanische Außenministerium am Donnerstag mitgeteilt. Dadurch seien die religiösen Gefühle von Muslimen schwerwiegend verletzt worden. „Solche Taten untergraben nachhaltig die Bemühungen derer, die den Respekt und das Verständnis zwischen den Religionen und Kulturen fördern wollen.“
Und der Westen, in Gestalt des schwedischen Botschafters, entschuldigt sich und bedauert die Meinungsfreiheit:
Er teile die Auffassung der muslimischen Gemeinschaft und habe die Karikatur als „bedauerlich“ bezeichnet, teilte das Außenamt weiter mit und fügte hinzu: „Bedauerlicherweise nimmt unter manchen Europäern die Tendenz zu, Meinungsfreiheit mit der unverblümten und wohlüberlegten Beleidigung der 1,3 Milliarden Muslime in der Welt zu vermischen“.
Nur die Katholiken in Malaysia haben offensichtlich etwas aus der vorgeblichen Dünnhäutigkeit einiger moslemischer Meinungsführer gelernt. Nachdem die tamilische Zeitung Makkal Olsai eine Karikatur von einem rauchenden und Bier trinkenden Jesus veröffentlichte,
empören sie sich standesgemäß:
Der katholische Erzbischof von Kuala Lumpur, Murphy Pakiam, sprach in malaysischen Medien von einem „Sakrileg“, das die religiösen Gefühle der Katholiken verletze. Die evangelisch-lutherische Kirche Malaysias verlangte ein Verbot der Zeitung. „Als zwei Tageszeitungen hier im vergangenen Jahr die Karikatur veröffentlichten, die den Propheten Mohammed mit einem Turban in Bombenform zeigte, hat die Regierung unmittelbar gehandelt und die beiden Zeitungen verboten“, erinnerte Bischof Julius Paul. Das sei „die richtige Entscheidung“ gewesen.
Also, für eine Organisation, die allein im letzten Jahr 398 Millionen US-Dollar Schandenersatz gezahlt hat, weil
448 ihrer Priester insgesamt 714 Kinder sexuell missbraucht haben, finde ich das etwas überempfindlich.
Irgendjemand sollte all diesen armen, schwer beleidigten Menschen vielleicht mal stecken, dass es Gott/Allah gar nicht gibt. Er kann also auch keine Söhne und Propheten in die Welt gesetzt haben, die man durch
Karikaturen beleidigen kann. Natürlich wollen wir niemanden daran hindern, an Märchen zu glauben. Aber die Meinungsfreiheit geben wir deshalb ganz sicher nicht auf.